Manchmal ist deutsches Fernsehen ja wenigstens lustig

Zum Beispiel wenn bei Sandra Maischberger gegeneinander antreten: Gregor Gysi, politischer Unternehmer und Rächer der Entrechteten vs. Hans-Werner Sinn, Präsident ifo-Institut und bekannt als Volkswirtschaftler mit Hang zu dramatischen Büchertiteln (”Ist Deutschland noch zu retten?”). Thema: Mindestlohn für Deutschland.

Selten werden Unterschiede zwischen Kommunikationsformen und Sachlichkeit in den Subkulturen Wissenschaft und Politik deutlicher. Gysi blubbert wild durch die Gegend, mit einer Mischung aus Empirie und “nachvollziehbarer” Volksnähe. Auf der anderen Seite Sinn, zugegebenermaßen weniger eloquent, aber sachlich zumindest nachvollziehbar. Vielleicht nur für VWLer? Beide reden inhaltlich völlig aneinander vorbei. Liegt das an der Tatsache, das hier ein Jurist auf einen Wirtschaftswissenschaftler trifft? Oder an politischen Vorlieben?

Nein, diese Fragen haben überhaupt nichts mit politischer Ausrichtung oder mit Weltanschauung zu tun, sondern allein mit der Qualität von Argumenten. Fürs politische Geschäft scheint die weniger relevant zu sein. Am Ende gewinnt Sinn. Gysi fährt nach der Sendung wieder ins politische Berlin und kämpft weiter für den Mindestlohn, Sinn zurück nach München in den Elfenbeinturm. Er darf froh sein, wenn er mal einen Anruf aus Berlin bekommt - um sein Konzept Kombilohn vorzustellen.

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